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21.05.2017

Egotronic - Positiv angepisst sein!

Eine Begegnung mit Torsun Burkhardt

Interview Albumreview

Gespräche mit Torsun Burkhardt lohnen wahrscheinlich meistens, aber mit der Veröffentlichung der neuen Egotronic-Platte "Keine Argumente!" gibt es auch noch einen richtig guten Anlass, sich zu unterhalten. Apropos Unterhalten: Das scheinen die Menschen im Zeitalter der Kommunikation endgültig verlernt zu haben. Sicher einer der Gründe, warum die Platte getauft wurde wie sie getauft wurde. Aber der Reihe nach. Das Interview sollte mit einer Verspätung gleich sehr undeutsch losgehen, doch da fragt man sich direkt: Worin genau liegt das Deutsche? In der Verpätung im Nahverkehr oder darin, dass man sich an Mißstände hier sehr schnell gewöhnt? Torsun stimmt zu. Man schaut nur zu gerne nach Übersee und schimpft, was dort alles so schief läuft und übersieht oder verklärt Tendenzen, die sich im eigenen Land abzeichnen.  Weil Torsun aber kein Oberlehrer ist und Songtexte keine Bücher sind, arbeitet er gerne mit Parolen. Wenn es anfängt, zu stinken, muss eben jemand aufstehen und die Fenster einen Spalt weit aufmachen. Die Linke habe ohnehin einiges verpennt, sagt Torsun und die Intellektuellen schwadronieren über künstliche Intelligenz, während analog die Welt zugrunde geht. Der Einsatz von Parolen ist also sehr bewusst, weil es Torsun sehr wichtig ist, dass man ihn nicht mißversteht, der er kennt den Feind nur zu gut, weil er auch auf dem Dorf groß geworden ist und verbotene Onkelz-CDs auf dem Schulhof getauscht hat und es ist wichtig, dass diese Kids nicht alle nach rechts laufen.

Produziert hat die neue Platte übrigens Rod von Die Ärzte. Man kenne und schätze sich schon lange, sagt Torsun. Da habe sich das eben einfach angeboten. Außerdem habe Rod ziemlich genaue Vorstellungen davon gehabt, wie eine Egotronic-Platte klingen muss. Ordentlich Punch und trotzdem Pop. Helene Fischer für Kleinkriminelle. Die Bühnen, auf denen die Band mittlerweile steht (Rock Am Ring, Hurricane u.a.), nimmt diesem Vergleich vielleicht sogar ein Stück weit das Augenzwinkern, denn gerade Die Ärzte haben ja mit "Schrei nach Liebe" einen eindeutig faschistischen Song, in dem sogar mehrfach das Wort Arschloch vorkommt, ins Radioprogramm gebracht.

Für alle, die keine physischen Drums mögen, gibt es das Album allerdings in der 8-Bit-Variante obendrauf und da dieses Werk mit rund 35 Minuten Spielzeit auch im wahrsten Sinne des Wortes atemlos ist, benötigt man nur wenige Anläufe, das Ding durchzuhören. Und es lohnt sich. Jedes Mal.

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  • 25. Mai 2017 | Molotow
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