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18.02.2017

Sion Hill

Der Nachmieter von Peter Doherty

gute Sache Interview

Lazy Saturday Afternoon mit Nate a.k.a. Sion Hill im Clouds-Hill-Apartment am Billwerder Neuer Deich. Sein Künstlername ist eine Homage an seinen Heimatort Mullingar in Irland und an seine Schulfreunde und hält seine Wurzeln relevant, was um so wichtiger scheint, wenn man im Ausland lebt und sowieso viel unterwegs ist.

Im DVD-Player dreht sich Rodriguez' Roadracers. Rollschuhe, Grease, Zigaretten und Schlachterbeil. Ein ähnliches Gemetzel sind auch seine musikalischen Vorlieben, denn Nate kennt sich mit seinen kaum 23 Jahren in allen Genres bestens aus. New Order und Acid Rap sind eben nur noch zwei Mausklicks voneinander entfernt. Dann gibt es einen kleinen Rundgang durch das Apartment, aus dem Peter Doherty vor Nate's Ankunft gerade zwei Tage ausgezogen war und dessen Schlafzimmer frisch gestrichen wurde, was den "Doherty-Spirit" jedoch nicht komplett abdecken konnte. Nichts für ungut, denn schließlich gehen die zwei jetzt fünf Tage lang zusammen auf Tour. Aufgeregt? Aber hallo!

Es gibt keine zwei Meinungen, dass dieses Ambiente sowas wie der perfekte Ort ist, um eine Platte aufzunehmen. Nicht nur, dass es hier haufenweise Vintage-Equipment gibt, nein, das Zeug funktioniert sogar. Einzig der Playball-Flipperautomat will nicht mehr so recht. Dafür macht er sich gut als Kulisse. Es ist ruhig, aber man ist nie einsam. Überhaupt fühlt Nate sich wohl in Hamburg. "Es ist eine Großstadt und trotzdem kann man alles schnell erreichen." Ein klarer Vorteil gegenüber Berlin, wo er eine kleine Wohnung hat, aber Friedrichshain auch irgendwie nicht verlässt. In einem Gespräch mit ihm, lernt man die Stadt, in der man lebt, durch einen unverbrauchten Blick neu kennen und lieben. Er findet es wunderbar, wie hier so viele Subkulturen nebeneinander und miteinander existieren können.

Wenn man ihn fragt, ob es ein bewusster Karriereschritt war, nach Deutschland zu kommen, erwartet man alles, aber nicht eine solche Geschichte, wie er sie auftischt. Sie beginnt mit einem irischen Songschreiber, der bei einem Autounfall ums Leben kam, durch eine Organspende aber fünf Leben retten konnte. Ein Freund von ihm hat die angehörigen Familien einst in seiner Wohnung versammelt, um einen Beitrag darüber zu drehen. Über einen Kameramann kam das Demo, das Nate und ein Freund aufgenommen hatten in die Hände von Clouds Hill und Monate später per Anruf auf offener Straße die Einladung nach Deutschland. Er genieße die Zusammenarbeit mit dem Label, da es sehr viel für ihn tue, ihm auch die Freiheit lasse, teilweise Konzerte und Internetauftritt selbst zu organisieren.

Seine erste Single "Nothing Wrong With Loving You" klingt wie eine moderne Motown-Version der Arctic Monkeys, sei aber keineswegs symptomatisch für das Album. Darin hat er alles verrührt, was er gern hat. Das Schlimmste für einen Musiker sei schließlich Langeweile. Nun, vor der muss er vorläufig sicher keine Angst haben.

Abschließend erzählt er dann noch die Geschichte, wie ihm seine Gitarre, die für ihn einen unschätzbar hohen sentimentalen Wert hat, fast gestolen wurde. Er habe für eine Mitarbeiterin des Labels auf deren Hochzeitsfeier im Mojo Club ein paar Songs performt und anschließend seine Gitarre etwas optmistisch im Gang geparkt. Als der Laden später für Laufkundschaft geöffnet wurde, war die Gitarre weg. Er sei dann durch zahlreiche Bars und Restaurants gehetzt, leider ohne Erfolg. Infolgedessen musste er einen Flug am nächsten Tag canceln, weil er dermaßen aufgebracht war und die ganze Nacht kein Auge zugetan hatte. Später am Tag stand die Braut selbst mit der Gitarre unterm Arm in der Küche des Studios. Ein befreundeter Securitymann hatte die Gitarre in einer Facebook-Gruppe von Securitymännern als gestolen gemeldet, so dass diese am anderen Ende der Stadt in einem Hostel ausfindig gemacht und seinem rechtmäßigen Besitzer zurückgegeben werden konnte. Die Täterin, eine junge Frau, habe erst alles abgestritten, woraufhin der Sicherheitsdienst des Hotels ihren Freund in ein leeres Zimmer gesperrt hat. Gib' die Gitarre zurück und du kriegst deinen Freund wieder.

Heute startet seine Tour als Support für Peter Doherty in Frankfurt. Am Wochenende endet sie in Hamburg und Berlin.

  • 20.02.2017 - Frankfurt, Batschkapp
  • 21.02.2017 - München, Muffathalle
  • 22.02.2017 - Köln, Live Music Hall
  • 24.02.2017 - Hamburg, Große Freiheit 36
  • 25.02.2017 - Berlin, Huxley's Neue Welt

(Fotocredit: Nathan Ivor Barlow // Text: Christian Klindworth)

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